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24.Mai 2007 - Ein halbes Jahr in Italien

Zum Vergrößern anklicken! Zum Vergrößern anklicken! von Dan-Silas Scheidt

Zwei Tage vor den Sommerferien: Ich rechnete schon nicht mehr damit, dass aus dem Austausch noch etwas werden würde. Ich öffnete mein Emailpostfach und stellte erfreut oder eher überrascht fest, dass mich eine Mail aus Italien erreicht hatte, was an ein mittleres Wunder reicht. Der Inhalt war dann tatsächlich auch ein Wunder, denn auf den seltsamsten Wegen war es meiner Kontaktperson gelungen, eine Gastfamilie in meiner Wunschstadt L'Aquila zu finden. Die Kontaktperson war mir vom Italienaustausch des Humboldt-Gymnasiums her bekannt und die Partnerschule sagte mir schnell zu, dass ich die Schule besuchen könnte, was aber nicht das Problem sein sollte.


Also flog ich am 10. September nach Rom, wo ich dann von Francesco Bizzarri, meinem Gastvater, mit einem deutschen Auto abgeholt wurde. BMW ist in Italien ganz schön beliebt. Und nicht nur das Auto war modern, auch die Stadtwohnung und das etwas außerhalb gelegene Haus ließen keine Wünsche offen.
Die Schule hätte allerdings mehr bieten können . Das fing schon damit an, dass das Gebäude neu bezogen war, aber noch keine Genehmigung zur Unterrichtsnutzung hatte. Das kann man auch nachvollziehen, da ein Ein- bzw. Ausgang etwas wenig für ein paarhundert Schüler ist. Na ja, als ich dann endlich durch dieses Nadelöhr gekommen war, verbrachte ich erstmal eine ganze Weile damit, meinen Unterrichtsraum zu finden, wobei die Schwierigkeiten nicht unbedingt von meinen schlechten Italienischkenntnissen herrührten, sondern vielmehr allgemeines Chaos herrschte. Aber das liebt man ja an Italien. Und wie zu erwarten, stand ich auch noch nicht auf der Klassenliste.

Da meine sprachlichen Vorkenntnisse sehr begrenzt waren, blieb mir anfangs im Unterricht nichts anderes übrig als mich zu langweilen. Manchmal vertrieb ich mir die Langweile dann damit, ein Buch zu lesen oder bei dem Tempo mitzuhalten, in welchem die Italiener das Lateinische ins Italienische zu übersetzen vermochten. Es gelang mir nicht. Aber das machte nichts. Als Ausländer und vor allem Deutscher wurde ich von allen hoch geachtet.
Ich kam ja schließlich aus dem Land der großen Philosophen. Leichte Enttäuschung machte sich aber breit, als ich ihnen erklärte, dass ich keine Philosophie in Deutschland hatte und deshalb weniger Ahnung hatte als sie. Na ja, der Geschichts- und Philosophielehrer nahm es gelassen und genauso war sein Unterricht: chillig!


Im Englischunterricht sah alles anders aus, hier wurde mir nette Unterhaltung geboten. Die Aussprache der Lehrer ließ sehr zu wünschen übrig und die gesamten Kenntnisse der Schüler waren sowieso zu vergessen. Man sollte aber mildernd noch hinzufügen, dass ich in Italien den Altsprachenzweig besuchte, welcher dort hoch geachtet wird, obwohl es die nutzlosesten Fächer beinhaltet und für das berufliche Leben eigentlich keine große Rolle spielt. Latein und Altgriechisch haben in der heutigen Kommunikation sicherlich einen sehr hohen Stellenwert. Oder welche Sprache spricht man noch mal in Groß Britannien, den USA, Australien und auf der ganzen Welt? Na ja, diese eins hatte ich auf jeden Fall sicher.
Die Naturwissenschaften waren für einen verwöhnten deutschen Gymnasiasten auch gewöhnungsbedürftig. Außer einem verstaubten Biologiefachraum gab es sonst nichts, aber das machte ja auch nichts, weil man selbst diesen nicht einmal gebraucht hat. Doch, ein Mal haben wir ihn gebraucht. Wir lösten (haltet euch fest!!!) NaCl in H2O. Das macht jede Hausfrau oder jeder Hausmann täglich in der Küche. Es gelang mir immerhin nicht loszulachen.


Trotz dieser schulischen Besonderheiten war es dort sehr nett. Italiener sind einfach herzlich, chillig und gut drauf. Und vor allem nicht so langweilig oder spießig wie die Deutschen in der nördlich Provinz (es soll keiner beleidigt werden). Abends ist die City einfach voll. Egal, was für ein Wetter ist. Man trifft sich, geht herum, isst eine Pizza und geht dann irgendwohin.
Am Ende meines Aufenthalts habe ich insgesamt vier Abschiedsfeste gefeiert. Dort wegzugehen, fiel mir echt schwer. Aber diese Erfahrung werde ich niemals vergessen. Wenn ihr die Möglichkeit dazu habt, solltet ihr unbedingt einen solchen Austausch machen. Egal wo.
Wer noch mehr lesen möchte, kann mich einfach ansprechen, ich hätte dann noch ein Tagebuch (ca. 21 DIN-A4-Seiten). Für alle, die einen Austausch machen wollen oder einfach gern lachen.